Elia

insgesamt 24 Bilder 1992 - 1995
Acrylfarben, Sand, Textilien auf Leinwand und Nessel.

 

In Bild Nr. 4 wird durch das collagierte Tuch der Altartisch auf dem Berg Karmel assoziiert. Ein facettenreicher Mittelpunkt des Bildes. Rechts unten ein Graben mit Wasser - links die Wüste, die Trockenheit.

Der Glaubende Weiß: Das Blau wird sich zu Regen verdichten und Gott wird sichtbar als einer, der das Leben will.
Aber diese Glaubensgewissheit wird hinterfragt: Der Altartisch - das collagierte Tuch - ist aus der Richtung geworfen, er schwankt. Und das Rechteck in der oberen Mitte des Bildes ist mit einem Durcheinander von Farben versehen, das in deutlichem Kontrast zu dem klaren Blau rechts unten im Bild steht.

Und das Tor des Himmels ist nur noch ganz zart darunter angedeutet, die Lichtleiste fehlt völlig - ein Bild das mehrdeutig ist, ein Bild das Rätsel aufgibt. Was mag der skelettierte Baum mit dem Halbmond bedeuten?
Sind die Baalspriester, die Vertreter der Fruchtbarkeitsreligion am Ende?
Sie gehen unter in einer Woge von Braun, der Farbe der Unfruchtbarkeit, der Verwesung. Aber was bedeutet das konkret?


Rätselhaft auch das fünfte Bild. Sein Rot ist vieldeutig. Rot ist die Farbe des Blutes, die Farbe des Lichtes und die Farbe des Feuers.
Wo es um das Letzte geht, da zeigen sich die Urelemente der Erde: Hier das Feuer. Aber es ist nur das Feuer, das die Opfergaben auf dem Altar verzehrt. Es ist zugleich das Feuer der Begeisterung für die Glaubenden, die nun den Durchbruch, den endgültigen Sieg des Lebens über den Tod erwarten: Das Tor des Himmels tut sich auf, der Glaubende ( oder der Künstler? ) sieht durch: Vergleiche die gelbe Lichtleiste am rechten Bildrand.

Aber was für eine Seite den Sieg bedeutet, bringt den Vertretern der anderen den Tod. Rot - Feuer verzehrt, vernichtet. Der Sie des "Rechtgläubigen" wird erkauft mit dem Tod der vierhundert Baalspriester.
Angesichts dieser Ungeheuerlichkeit kann niemand neutral bleiben.

Für Uwe Appold bedeutet das: er wechselt die Seiten. Konnte er sich bisher mit Elia identifizieren, so gehört seine Solidarität jetzt den Unterlegenen, den Baalspriestern und ihrem Schicksal. Dieses Resümee würde ich aus der Tatsache ziehen, dass in seiner Bildfolge sich nun acht gleichgroße hochformatige, schmale Collagen anschließen, zu denen acht Freunde un Verwandte je ein Kleidungsstück beigetragen haben. Deutlich signalisieren Oberhemden den menschlichen Oberkörper, die vorherrschende Farbe Rot und die gewalttätigen Eingriffe in Farbe und Material machen sichtbar: hier ist Blut geflossen. Die Opfer hätten meine Freunde sein können.

Der reliefartige Halbmond in der Brusttasche eines der collagierten Hemden weist in eine bestimmte Richtung: Der Grund des Todes ist allein die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe. Vor Jahren war dort der Judenstern zu tragen. Mich erinnern diese schmalen Bildtafeln an antike Stelen, Zeichen des Sieges über den Tod. Auf dem Bild 8 entdecke ich verschlüsselt ebenfalls das Siegeszeichen; die obere Hälfte des Kreuzes, das den Exitus eines Menschen bedeutet, ist ein vergoldetes V. So sind am Ende vielleicht doch die Sieger die Verlierer und die Verlierer die Sieger?

Zitat:
Diethelm Röhnisch
Aus: Niederrheinischer Kunstverein: Uwe Appold, Elia, 24 Acrylbilder, 1995

Portrait - Uwe Appold

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