Donnerstag, 27. Februar 2004 Flensburger Tageblatt

Zugang zu den Ritualen der Kirche

Uwe Appold

Kunst in der Kirche:
Uwe Appold diskutiert mit

Margit Semmler

Margit Semmler.
Foto: Eudenbach

   

Am Sonntag beginnt die Ausstellung "Ton Wort - Farbe" in St. Nikolai. Auf Einladung des Flensburger Tageblatts sprach Margrit Semmler, Mitglied der nordelbischen Kirchenleitung, mit dem Künstler Uwe Appold, von dem der Zyklus " Ton - Wort - Farbe" stammt.

Semmler: Was ist die Idee hinter der Ausstellung?

Appold: "Speziell Menschen, die keine Kirchgänger sind, sollen sich emotional angesprochen fühlen. Ihnen soll so ein Zugang zu den Ritualen der Kirche etmöglicht werden. Deshalb fand die Ausstellung, die vom Kirchlichen Dienst in der Arbeiterwelt (KDA) initiiert wurde, bis jetzt auch überwiegend in Betrieben statt."

Überfordert die große Anzahl der Bilder nicht?

Nein, wir haben die Ausstellung in siebener Gruppen unterteilt, so dass man sich den einzelnen Elementen thematisch nähern kann.

Die Bilder wirken leicht und beschwingt. Welche Stilmittel der Malerei setzen Sie ein, um dies zu erreichen?

Ich verwende einfache, klar begrenzte Formen, die frei im Raum zu schweben scheinen. Der Blick ist daher nicht festgelegt, was dem Betrachter einen freien, direkten Einstieg in das Bild ermöglicht.

Welche Rolle spielen die von Ihnen verwendeten Farben dabei?

Die Farbenvielfalt symbolisiert den Facettenreichtum des Gottesdienstes. Dabei benutze ich die Metaphernsprache der christlichen Farbikonographie. Die Farbe Gelb steht hier beispielsweise für Gott, Rot für Liebe, aber auch Martyrium. Die leuchtenden klaren Farben sollen Lust auf den Gottesdienst machen, positive Energie vermitteln.

Steht die Farbigkeit in einem Bezug zur Zielgruppe der Ausstellung?

Meiner Erfahrung nach finden den Kirchenferne den Zugang zur Kirche häufig nicht über die Texte, sondern über Form und Farbe der Bilder. Sie versetzen viele in eine meditative, kontemplative Stimmung, geben ihnen eine innere Kraft.

Sind nicht viele Vorkenntnisse erforderlich, um die Bilder zu verstehen?

Nicht unbedingt. Viele haben eine einfache Symbolik, die jeder kennt, zum Beispiel das "Glockengeläut". Darüber hinaus gibt es zu jedem Bild einen erklärenden Text und ein passendes Zitat aus dem Evangelischem Gesangsbuch.

Aber nicht jedes Bild ist an eine Form gebunden, die jeder kennt. Viele sind auch sehr abstrakt, beispielsweise das "Eingangslied".

Die abstrakten Bilder sind als Zwischenstücke zu verstehen - sie stellen den Über'gang zu, den bekannten Formen her und ermöglichen individuelle Interpretationen. Hier verwende ich Wortkürzel und ikonographische Symbole wie beispielsweise ein Quadrat, das die Erde symbolisiert oder einen Kreis, der f ür den Himmel steht.

Die Ausstellung heißt "Ton - Wort - Farbe". Welche Rolle spielt die Musik dabei?"

Ich strebe einen Trias von Ton, Wort und Farbe an. Jeder Ton ist für mich mit einer bestimmten Farbe assoziierbar. Eigens dafür komponierte Choräle untermalen die Themen der Bilder. Sie sind über ausleihbare Kopfhörer zu hören.

Was haben Menschen, die der Kirche bisher nicht unbedingt nahe standen davon, sich mit der evangelischen Liturgie auseinander zu setzen?

Zum einen ist die Auseinandersetzung mit einer fast 2000 Jahre alten Tradition des Abendlandes ungeheuer bereichernd. Zum anderen verleihen die Rituale des Gottesdienstes dem Individium große Sicherheit, geben eine Heimat.

Fühlen sich nicht gerade Kirchenfremde, die diese Rituale nicht kennen, ausgeschlossen?

Nein, wie Werbung sprechen die Bilder die emotionale Ebene an. Jeder kann sich dann das herauspicken, was ihm am, ehesten anspricht.

Die Ausstellung "Ton - Wort - Farbe" ist eine der "Variationen zum Evangelischen Gottesdienst", die vom 29. Februar bis zum 18. April im Forum Nordelbien der St. Nikolai Kirche präsentiert werden.
Das Gespräch moderierte die Tageblatt-Mitarbeiterin Eva Kriews.