ES SPRINGT

Es springt dieses Jahrhundert

Das zweite Bild hat eine klare und scharfe Trennung. Auf der linken Seite bedeckt ein Teil einer Decke, die aus Resten von unterschiedlichen Textilien (Lumpen) hergestellt wurde, den Grund, den linken Bildrand anschneidend.
Die Decke ist mit Asche überzogen, die nicht lesbaren Zeichen und das Märtyrerkreuz sind ebenfalls aus Asche gebildet. Zum unteren Bildrand hin ist Frauenhaar auf der Leinwand befestigt, als Hinweis auf das Haar der im Gedicht erwähnten Berenice.

Berenike lebte ca. 270 v. Chr. und war die Frau des ägyptischen Königs Ptolemaios III. Als dieser in den 3. Syrischen Krieg zog, gelobte Berenike der Liebesgöttin Aphrodite, dass sie ihr Haar opfern würde, falls Ptolemaios als Sieger gesund zu ihr zurück kehren würde. Nach der Rückkehr ihres Gemahls legte sie das abgeschnittene Haar auf einen Altar in einem der Göttin geweihten Tempel.
Als das Haar am nächsten Morgen verschwunden war, entstand die Legende über die Freude der Götter über das Opfer der Liebenden. Sie entschlossen sich, daraus das Sternbild der Berenike am Himmel für alle Zeiten zu verewigen.

Das abgeschnittene Haar erinnert ebenso an abgeschnittenes Frauenhaar in den Konzentrationslagern. Die zwischen Haar und Kreuz notierte Zahl VII ist Ausdruck dafür, dass die Vernichtung an allen sieben Tagen stattfand.
Diese Zahl stellt den Bezug her zu den 24 handgemachten Nägeln auf der rechten Bildseite. Sie stammen aus dem Dach der Marktkirche in Celle. Dort wurden im zweiten Weltkrieges auf Juden, die während eines Luftangriffs aus einem bombardierten Eisenbahnzug entkamen, mit Hilfe von Soldaten und Einwohnern Jagd gemacht. Nägel werden kunstgeschichtlich als Marterwerkzeuge verstanden.

Die Zahl 24 steht symbolisch für 2 x 12. Die Zwölf ist in der jüdischen Zahlensymbolik die Zahl der Volksgemeinschaft, sie steht für die zwölf Stämme Israels.

Wenn die Volksgemeinschaft nicht mehr existiert, muss eine andere entstehen.

Den fünf Sinnen gleich, sind die Nägel auf die Leinwand gebracht.

Am rechten unteren Bildrand ist ein Halbkreis aus Erde an einigen Stellen aufgebrochen, die Nägel darüber sind abgezählt, wie Tage, Wochen, Monate auf einer Kerkerwand.

  Acrylfarbe, Textil, Erde aus Neuengamme, Nägel, Frauenhaar, Asche, Blattgold auf Leinwand, 158 x 83 cm